Ratgeber
Kurrent in 7 Tagen lernen: ein Tagesplan
Stand: 19. September 2026 · etwa 5 Minuten Lesezeit
Kurrent lesen zu lernen ist kein jahrelanges Studium. Die Schrift hat etwa so viele Buchstaben wie unsere heutige, und viele davon ähneln ihren modernen Formen. Wer sich eine Woche lang täglich eine halbe Stunde Zeit nimmt, kennt danach die Buchstaben und kann einfache Texte mit etwas Geduld lesen.
Ehrlich gesagt: Flüssig lesen Sie nach sieben Tagen noch nicht. Das kommt mit echten Texten und Übung. Aber der schwierigste Teil – der Anfang, an dem alles fremd aussieht – ist nach dieser Woche geschafft. Sie brauchen nur eine Buchstabentabelle, ein Heft und einen Stift.
Vorbereitung
Besorgen Sie sich eine Buchstabentabelle der Kurrent mit Klein- und Großbuchstaben. Solche Tabellen gibt es in Büchern zur Familienforschung, bei genealogischen Vereinen und im Internet. Achten Sie darauf, dass sie die Kurrent zeigt und nicht Sütterlin; die Buchstaben sind zwar dieselben, sehen aber in der Kurrent schräger und spitzer aus.
Legen Sie ein Heft an, in dem Sie jeden Tag schreiben. Das Schreiben mit der eigenen Hand ist der schnellste Weg zum Lesen, weil Sie dabei den Bewegungsablauf jedes Buchstabens verstehen. Suchen Sie sich außerdem schon jetzt einen echten Text, den Sie am Ende der Woche lesen möchten – etwa einen Brief aus der Familie.
Tag 1: Die Grundzüge – i, n, m, u und e
Beginnen Sie mit den Buchstaben, die nur aus kurzen Auf- und Abstrichen bestehen. In der Kurrent sind sie spitz und schräg, und sie ähneln sich stark: das i mit seinem Punkt, das n aus zwei Zügen, das m aus drei, das u mit seinem Bogen darüber und das e aus zwei kurzen Strichen, das wie ein heutiges n aussieht.
Schreiben Sie jeden Buchstaben eine Zeile lang, dann Kombinationen wie „nein“, „mein“, „nun“. Achten Sie darauf, wie wichtig der u-Bogen ist: Ohne ihn wären n und u kaum zu unterscheiden.
Tag 2: Ober- und Unterlängen
Heute kommen die Buchstaben, die über oder unter die Zeile reichen: b, d, h, k, l und t nach oben, g, j, p, q, y und z nach unten. Besonders wichtig ist das h, dessen Schleife unter die Zeile geht, und das lange s (ſ), das oben und unten übersteht.
Schreiben Sie Wörter, in denen diese Buchstaben vorkommen: „Tag“, „gut“, „lieb“, „halb“, „Weg“. Vergleichen Sie Ihre Buchstaben mit der Tabelle und korrigieren Sie die Schräglage.
Tag 3: Die Sonderfälle – s, r, c, w und Verbindungen
Am dritten Tag geht es um die Buchstaben, die am häufigsten falsch gelesen werden. Das lange s steht am Anfang und im Inneren einer Silbe, das runde Schluss-s am Ende. Das r, das c und das w sehen ganz anders aus als heute; vergleichen Sie sie besonders genau mit der Tabelle.
Üben Sie außerdem häufige Verbindungen wie ch, ck, sch und st, die in fast jedem Satz vorkommen. Schreiben Sie „Schwester“, „Stock“, „Nacht“ und „das Haus“ – dabei begegnen Sie beiden s-Formen.
Tag 4: Großbuchstaben
Die Großbuchstaben sind der schwierigste Teil, weil sie oft verschnörkelt sind und kaum an die heutigen erinnern. Nehmen Sie sich heute die häufigsten vor: die Anfangsbuchstaben typischer Wörter wie D (Der, Die, Das), S (Sohn, Sonntag), M (Mutter), V (Vater), G (Gott, geboren) und L (Lieber).
Schreiben Sie jeden Großbuchstaben mehrmals und dann ein Wort damit. Die übrigen Großbuchstaben schlagen Sie beim Lesen einfach nach; sie prägen sich mit der Zeit von selbst ein.
Tag 5: Häufige Wörter und Abkürzungen
Ein großer Teil jedes Textes besteht aus wenigen, immer gleichen Wörtern. Wer sie auf einen Blick erkennt, liest viel schneller. Schreiben Sie heute die häufigsten ab: und, der, die, das, ist, nicht, ich, wir, mit, von, zu, den, auch, sich, dass.
Dazu kommen typische Abkürzungen: „u.“ für und, „d.“ für den oder der, „geb.“ für geboren, „Hr.“ für Herr. In Briefen stehen oft Grußformeln wie „Liebe Eltern“ oder „mit herzlichen Grüßen“. Merken Sie sich deren Schriftbild als Ganzes.
Tag 6: Ihr erster echter Text
Heute lesen Sie einen echten Text. Gut geeignet ist ein Eintrag aus einem Standesamtsregister oder ein kurzer Brief, weil beide vorhersehbar aufgebaut sind. Gehen Sie Wort für Wort vor, die Tabelle daneben, und schreiben Sie mit.
Lesen Sie zuerst, was Sie sicher erkennen – Anrede, Datum, häufige Wörter –, und füllen Sie die Lücken danach. Markieren Sie Unsicheres mit einem Fragezeichen, statt zu raten. Eine Seite kann heute eine Stunde dauern; das ist normal.
Tag 7: Wiederholen, selbst schreiben, Ergebnis prüfen
Am letzten Tag wiederholen Sie die Buchstaben, die Ihnen noch Mühe machen, und schreiben einen kurzen Text selbst in Kurrent – etwa Ihren Namen, Ihre Adresse und einen Satz über Ihre Familie. Wer eine Schrift schreiben kann, liest sie deutlich sicherer.
Lesen Sie danach einen zweiten echten Text und vergleichen Sie Ihr Ergebnis mit einer automatischen Transkription, etwa mit Altschrift. Wo weichen Sie ab? Oft zeigt der Vergleich, welche Buchstaben Sie noch verwechseln – und manchmal, wo die Maschine sich irrt.
Wie es nach der Woche weitergeht
Nach sieben Tagen haben Sie das Handwerkszeug. Flüssig lesen lernen Sie durch regelmäßiges Üben mit echten Texten. Schon eine Viertelstunde am Tag bringt viel, besonders wenn Sie immer wieder Texte derselben Art lesen, zum Beispiel Einträge aus einem Kirchenbuch.
- Lesen Sie Texte verschiedener Schreiber. Jede Hand hat Eigenheiten, und mit jeder neuen werden Sie sicherer.
- Nutzen Sie Lesekurse und Lesehilfe-Angebote genealogischer Vereine. Gemeinsam zu lesen macht Fortschritte sichtbar.
- Lernen Sie bei Bedarf die lateinischen Begriffe der Kirchenbücher, wenn Sie in der Ahnenforschung tätig sind.
- Heben Sie Ihr Übungsheft auf. Nach einigen Wochen sehen Sie, wie viel sich getan hat, und können frühere Unsicherheiten noch einmal nachschlagen.
Häufige Fragen
Kann man Kurrent wirklich in sieben Tagen lernen?
Die Buchstaben und das Grundprinzip ja, flüssiges Lesen nein. Nach einer Woche lesen Sie einfache Texte mit Geduld und Tabelle; sicher wird es mit einigen Wochen Übung an echten Texten.
Soll ich zuerst Sütterlin oder Kurrent lernen?
Die Buchstaben sind dieselben. Wer Kurrent lernt, liest Sütterlin fast von selbst, weil diese Schrift aufrechter und runder und damit leichter ist. Umgekehrt ist der Schritt etwas größer.
Muss ich Kurrent auch schreiben können?
Nicht unbedingt, aber es hilft sehr. Wer einen Buchstaben einmal selbst geschrieben hat, erkennt ihn beim Lesen viel schneller wieder.
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