Dokumente und Anlässe

    Feldpost lesen: Briefe und Karten aus zwei Weltkriegen

    Stand: 19. September 2026 · etwa 5 Minuten Lesezeit

    In vielen Familien liegt ein Bündel Feldpost: Karten und Briefe von Vätern, Brüdern und Söhnen aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg, oft in einer Schachtel, die jahrzehntelang niemand geöffnet hat. Sie sind persönliche Zeugnisse, manchmal die letzten Lebenszeichen eines Menschen – und für Nachgeborene meist kaum lesbar.

    Die Schwierigkeiten sind handfest: Bleistift auf billigem Papier, enge Schrift auf kleinen Karten, eine Schrift, die heute niemand mehr lernt, und Andeutungen, die wegen der Zensur nicht offen ausgesprochen wurden. Diese Seite hilft, Feldpost einzuordnen, zu lesen und zu verstehen.

    Zeichnung einer Postkarte mit runden Stempeln und Bleistiftzeilen neben einem gefalteten Briefumschlag
    Feldpostkarten sind klein, dicht beschrieben und tragen Stempel, die bei der Einordnung helfen.

    Was in Feldpost typischerweise steht

    Feldpost war die wichtigste Verbindung zwischen Front und Heimat. Die Inhalte ähneln sich über beide Kriege hinweg:

    • Lebenszeichen und Gesundheit: „Mir geht es gut“ steht oft am Anfang, auch wenn die Lage anders war.
    • Dank für erhaltene Post und Pakete, Bitten um Lebensmittel, Tabak, Strümpfe oder Briefpapier
    • Wetter, Unterkunft, Verpflegung und der Alltag im Quartier
    • Fragen nach Familie, Hof, Arbeit und Nachbarn, Ratschläge für zu Hause
    • Urlaubshoffnungen, Grüße an Verwandte und – seltener – offene Worte über Kämpfe und Verluste

    Briefe aus der Heimat an die Front sind seltener erhalten, weil Soldaten sie nicht aufbewahren konnten. Umso wertvoller sind Sammlungen, in denen beide Seiten überliefert sind.

    Schrift, Stempel und Abkürzungen

    Im Ersten Weltkrieg schrieben die meisten Soldaten Kurrent, die sie in der Schule gelernt hatten. Im Zweiten Weltkrieg überwiegt bei jüngeren Schreibern Sütterlin beziehungsweise die daraus abgeleitete Deutsche Volksschrift, bei älteren weiterhin Kurrent; manche schrieben bereits lateinisch. Sehr häufig ist Bleistift, weil Tinte im Feld kaum zu haben war.

    Neben dem Text tragen Karten und Umschläge Hinweise, die bei der Einordnung helfen:

    • Stempel der Feldpost mit Datum und oft einem Truppen- oder Poststellenkürzel
    • Prüfstempel, die zeigen, dass die Sendung von der Zensur geöffnet oder gelesen wurde
    • im Zweiten Weltkrieg die Feldpostnummer, eine Zahl, die für eine bestimmte Einheit stand und deren Aufenthaltsort verschleiern sollte
    • im Ersten Weltkrieg Angaben zu Regiment, Bataillon und Kompanie in der Absenderzeile

    Typische Abkürzungen sind etwa „Rgt.“ für Regiment, „Btl.“ für Bataillon, „Kp.“ oder „Komp.“ für Kompanie, „Uffz.“ für Unteroffizier und „Laz.“ für Lazarett. Ortsnamen fehlen oft ganz, weil sie aus Gründen der Geheimhaltung nicht genannt werden durften; manche Schreiber umschrieben sie mit Andeutungen, die nur die Familie verstand.

    Wo Sie Feldpost und Hintergrundinformationen finden

    Die meiste Feldpost liegt in Privatbesitz. Für die Einordnung und für ergänzende Unterlagen gibt es aber öffentliche Anlaufstellen:

    • Das Museum für Kommunikation in Berlin besitzt eine große Sammlung von Feldpostbriefen.
    • Das Deutsche Tagebucharchiv in Emmendingen sammelt private Tagebücher und Briefe, darunter viel Feldpost.
    • Unterlagen zu Wehrmachtsangehörigen verwahrt heute das Bundesarchiv, das 2019 die Aufgaben der früheren Deutschen Dienststelle (WASt) übernommen hat.
    • Für Soldaten des Ersten Weltkriegs sind Verlustlisten und Stammrollen wichtige Quellen; viele liegen in Landesarchiven, die Verlustlisten sind digitalisiert.

    Wer eine Feldpostnummer aus dem Zweiten Weltkrieg kennt, kann mit Hilfe von Nachschlagewerken und Archivauskünften oft ermitteln, zu welcher Einheit sie zu einer bestimmten Zeit gehörte. Damit lassen sich Briefe zeitlich und örtlich einordnen.

    Tipps zum Lesen

    Feldpost ist oft schwerer zu lesen als andere Handschriften derselben Zeit. Diese Schritte helfen:

    1. Sortieren Sie die Post zuerst nach Datum, soweit es sich aus Text oder Stempel ergibt. Spätere Briefe beziehen sich oft auf frühere.
    2. Fotografieren Sie Bleistiftschrift bei weichem, gleichmäßigem Licht. Direktes Licht spiegelt auf dem Graphit und macht Striche unsichtbar.
    3. Lesen Sie Anrede, Grüße und Unterschrift zuerst – sie sind formelhaft und zeigen die Buchstabenformen des Schreibers.
    4. Rechnen Sie mit Umschreibungen. Wenn ein Satz merkwürdig klingt, ist er vielleicht bewusst vage formuliert, um die Zensur zu passieren.
    5. Notieren Sie Namen von Kameraden und Orten gesondert. Sie helfen später bei der Suche in Archiven.

    Eine Feldpostkarte Schritt für Schritt

    Das folgende Beispiel ist ausgedacht, zeigt aber den typischen Aufbau einer Karte aus dem Ersten Weltkrieg:

    Daran lässt sich viel ablesen. „Im Felde“ ersetzt den Ort, der nicht genannt werden durfte. „d. M.“ heißt „dieses Monats“. Die Formel „Mir geht es noch gut, was ich auch von Euch hoffe“ steht in unzähligen Karten und ist deshalb ein guter Einstieg, um die Buchstabenformen des Schreibers zu lernen. Die Frage nach dem Paket zeigt, wie wichtig die Versorgung aus der Heimat war.

    Wichtige Angaben stehen oft nicht im Text, sondern auf der Adressseite: Truppenteil in der Absenderzeile, Stempeldatum und Prüfvermerk. Lesen Sie deshalb immer beide Seiten und notieren Sie die Angaben gemeinsam. Erst aus Text, Stempel und Absender zusammen ergibt sich, wann und wo eine Karte geschrieben wurde.

    Wie der Scanner hilft

    Altschrift liest Feldpost in Kurrent, Sütterlin und lateinischer Schrift und gibt den Text in heutiger Schrift aus. Das ist besonders hilfreich bei größeren Sammlungen: Sie fotografieren Karte für Karte, ordnen die Ergebnisse in einem Projekt und exportieren am Ende alle Briefe als eine Textdatei – eine gute Grundlage für eine Familienchronik.

    Grenzen gibt es bei sehr blassem Bleistift, bei quer übereinander geschriebenen Zeilen und bei Karten, auf denen Stempel den Text überdecken. Ortsnamen und Abkürzungen der Truppe kann die KI nicht immer sicher lesen; diese Stellen sind markiert. Prüfen Sie Namen und Daten am Original.

    Für Angehörige im Ausland lässt sich der Text anschließend übersetzen. So können auch Nachfahren, die kein Deutsch sprechen, die Briefe ihrer Familie lesen.

    Häufige Fragen

    Warum sind viele Feldpostbriefe mit Bleistift geschrieben?

    Tinte war im Feld schwer zu bekommen und lief bei Nässe aus. Bleistift war einfach und immer dabei. Für das Fotografieren bedeutet das: weiches Licht, damit der Graphit nicht spiegelt.

    Was ist eine Feldpostnummer?

    Im Zweiten Weltkrieg stand die Feldpostnummer für eine bestimmte Einheit. Sie ersetzte die Ortsangabe, damit Briefe keine Truppenstandorte verrieten. Über Nachschlagewerke und Archive lässt sie sich oft einer Einheit zuordnen.

    Kann ich eine ganze Feldpost-Sammlung digitalisieren?

    Ja. Mit Altschrift lesen Sie Karte für Karte, ordnen alles in einem Projekt und exportieren die Texte gesammelt. Unsichere Stellen sind markiert.

    Weiterlesen