Vergleiche

    Alternative zu Transkribus: wann welches Werkzeug passt

    Stand: 19. September 2026 · etwa 5 Minuten Lesezeit

    Wer alte Handschrift mit künstlicher Intelligenz lesen lassen möchte, stößt schnell auf Transkribus. Die Plattform ist in Archiven, an Universitäten und unter Familienforschern weit verbreitet. Viele fragen sich trotzdem, ob es einfachere Alternativen gibt – etwa für ein paar Familienbriefe, für die man keine Plattform einrichten möchte.

    Diese Seite vergleicht Transkribus und Altschrift sachlich. Alle Angaben zu Transkribus stammen aus dessen öffentlicher Website und sind unten mit Abrufdatum belegt. Beide Werkzeuge haben ihre Stärken; welches besser passt, hängt vor allem vom Vorhaben ab.

    Zeichnung zweier Wege, die von einem Stapel alter Briefe ausgehen: einer führt zu einer Arbeitsfläche mit Werkzeugen, einer zu einem fertigen Textblatt
    Zwei Werkzeuge, zwei Schwerpunkte: Forschungsplattform oder schnelles Lesewerkzeug.

    Was Transkribus ist

    Transkribus wird nach eigenen Angaben von der READ-COOP SCE betrieben, einer europäischen Genossenschaft mit Sitz in Österreich und über 250 privaten und institutionellen Mitgliedern. Die Plattform erkennt Handschrift und Druck in über 100 Sprachen und nennt mehr als 500.000 Nutzerinnen und Nutzer weltweit.

    Zu den angebotenen Funktionen gehören laut Website:

    • Texterkennung für Handschrift und Druck mit über 300 KI-Modellen aus der Gemeinschaft
    • das Trainieren eigener Modelle, etwa für eine bestimmte Handschrift
    • Layout- und Tabellenerkennung
    • gemeinsames Bearbeiten und Annotieren von Dokumenten
    • Export unter anderem in JSON und XML sowie das Veröffentlichen digitaler Editionen mit „Transkribus Sites“

    Damit ist Transkribus vor allem eine Arbeitsumgebung für größere Projekte: für Archive, die Bestände erschließen, für Editionsvorhaben und für Forschende, die mit vielen Seiten derselben Art arbeiten.

    Was Altschrift anders macht

    Altschrift ist als Lesewerkzeug für einzelne Dokumente und überschaubare Bestände gebaut. Der Schwerpunkt liegt darauf, schnell und ohne Einarbeitung zu einem lesbaren Text zu kommen:

    • Die erste Seite liest der Scanner ohne Anmeldung, direkt im Browser, auch auf dem Handy.
    • Die Schrift wird automatisch erkannt; ein Modell muss nicht ausgewählt oder trainiert werden.
    • Unsichere Stellen sind im Text markiert, Original und Text stehen nebeneinander.
    • Der Text lässt sich auf Wunsch übersetzen und als TXT oder PDF exportieren.
    • Projekte und Schlagwörter ordnen auch größere Sammlungen.

    Was Altschrift nicht bietet: eigene Modelle trainieren, gemeinsame Bearbeitung in Teams, Export im PAGE-XML-Format oder das Veröffentlichen von Editionen. Wer das braucht, ist mit einer Forschungsplattform besser bedient.

    Die Unterschiede im Überblick

    • Einstieg: Transkribus bietet zum Start einen kostenlosen Plan mit 50 Credits im Monat; bei Altschrift lässt sich die erste Seite ohne Konto lesen.
    • Modelle: Transkribus bietet viele Modelle zur Auswahl und eigenes Training; Altschrift wählt automatisch und bietet kein Training.
    • Größe der Vorhaben: Transkribus richtet sich an Projekte mit vielen Seiten und Teams; Altschrift an einzelne Nutzer mit Briefen, Tagebüchern, Kirchenbuchseiten und Akten.
    • Weiterverarbeitung: Transkribus exportiert unter anderem strukturierte Formate für Editionen; Altschrift liefert Text und PDF und kann übersetzen.
    • Preismodell: Transkribus rechnet in Credits mit Jahresplänen und Zukauf; Altschrift verkauft Seitenpakete, die nicht verfallen, und ein Monatsabo.

    Kosten am Beispiel von 100 Seiten

    Die folgende Rechnung beruht auf den öffentlichen Preislisten beider Anbieter zum Abrufdatum. Preise können sich ändern; maßgeblich sind die aktuellen Angaben der Anbieter.

    • Transkribus: Die Handschrifterkennung kostet laut Preisliste 1 Credit je Seite; weitere Dienste wie Linien- oder Tabellenerkennung können zusätzliche Credits kosten. Im kostenlosen Plan gibt es 50 Credits pro Monat, 100 Seiten sind damit in zwei Monaten kostenlos lesbar. Im Plan „Scholar“ kosten 900 Credits 99 € im Jahr, also rund 11 Cent je Seite. Zugekauft werden 250 Credits für 59,50 €; anteilig sind das rund 23,80 € für 100 Seiten.
    • Altschrift: 100 Seiten kosten im Paket Mittel 17,90 €, das sind 17,9 ct je Seite. Die Seiten verfallen nicht. Nach der Registrierung gibt es 5 Seiten gratis.

    Für gelegentliche Nutzung sind beide Angebote günstig. Wer regelmäßig sehr viele Seiten liest, sollte die Jahrespläne und großen Pakete beider Anbieter vergleichen und dabei auch den eigenen Zeitaufwand für Einrichtung und Bedienung einrechnen.

    Datenschutz und Speicherort

    Für Familienunterlagen und Archivgut spielt auch eine Rolle, wo die Daten verarbeitet werden. Transkribus gibt an, auf Servern in Österreich zu arbeiten und die Daten nach den Regeln der DSGVO zu verarbeiten.

    Altschrift speichert hochgeladene Dateien auf Servern in Deutschland, die Datenbank liegt in der EU. Zum Lesen wird ein Bild an einen KI-Dienst übertragen – Google, Anthropic oder über OpenRouter –, wobei eine Verarbeitung außerhalb der EU möglich ist. Die Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung. Ergebnisse aus dem Scanner ohne Anmeldung werden nach 24 Stunden gelöscht.

    Wer besonders sensible Unterlagen verarbeiten möchte, etwa Akten mit Angaben über noch lebende Personen, sollte die Datenschutzhinweise beider Anbieter vorher genau lesen und im Zweifel nachfragen.

    Wann welches Werkzeug passt

    Eine Faustregel ergibt sich aus dem Vorhaben:

    • Transkribus passt gut, wenn Sie einen großen Bestand erschließen, eine bestimmte Handschrift durch Training besser lesen lassen wollen, im Team arbeiten oder eine Edition veröffentlichen möchten.
    • Altschrift passt gut, wenn Sie Familienbriefe, Tagebücher, Urkunden oder einzelne Kirchenbuchseiten schnell lesbar machen wollen, ohne sich in eine Plattform einzuarbeiten – auch vom Handy aus und mit Übersetzung für Verwandte.
    • Beides lässt sich kombinieren: schnelle Lesung einzelner Stücke mit einem einfachen Werkzeug, systematische Erschließung eines ganzen Bestands auf einer Forschungsplattform.

    Unabhängig vom Werkzeug entscheidet die Qualität der Aufnahme über das Ergebnis. Gleichmäßiges Licht, eine parallel gehaltene Kamera und die ganze Seite im Bild bringen bei jedem Programm mehr als jede Einstellung.

    Selbst vergleichen

    Am aussagekräftigsten ist ein Vergleich mit den eigenen Dokumenten. Wählen Sie zwei oder drei typische Seiten aus Ihrem Bestand – eine gut lesbare, eine schwierige – und lassen Sie sie in beiden Werkzeugen lesen. Achten Sie dabei nicht nur auf die Fehlerzahl, sondern auch darauf, wie leicht Sie Fehler finden und korrigieren können und wie viel Zeit Sie bis zum fertigen Text brauchen.

    Bei Altschrift geht das für die erste Seite ohne Konto direkt auf der Startseite. Transkribus bietet für den Einstieg einen kostenlosen Plan mit monatlichen Credits.

    Häufige Fragen

    Ist Altschrift ein Ersatz für Transkribus?

    Für manche Zwecke ja, für andere nicht. Wer einzelne Dokumente schnell lesen möchte, kommt mit einem einfachen Werkzeug oft schneller ans Ziel. Für Modelltraining, Teamarbeit und Editionen ist eine Forschungsplattform wie Transkribus geeigneter.

    Was kosten 100 Seiten?

    Laut den Preislisten zum Abrufdatum: bei Transkribus anteilig rund 23,80 € beim Zukauf von Credits oder anteilig weniger im Jahresplan, bei Altschrift 17,90 € im Paket Mittel. Maßgeblich sind die aktuellen Preise der Anbieter.

    Kann ich bei Altschrift eigene Modelle trainieren?

    Nein. Die Schrift wird automatisch erkannt; ein Training eigener Modelle ist nicht vorgesehen.

    Quellen

    1. Transkribus – Startseite (Angaben zu Betreiber, Funktionen, Nutzerzahl), abgerufen am 19. September 2026
    2. Transkribus – Pläne und Preise (Credits, Pläne, Zukauf, Kosten je Seite), abgerufen am 19. September 2026

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