Schriften

    Alte Maschinenschrift lesen und digitalisieren

    Stand: 19. September 2026 · etwa 5 Minuten Lesezeit

    Nicht jede schwer lesbare Vorlage ist handgeschrieben. In Behördenakten, Firmenarchiven und Familienunterlagen aus dem 20. Jahrhundert liegen unzählige Seiten Maschinenschrift – oft nur als blasser Durchschlag auf dünnem Papier, mit verschmierten Buchstaben und handschriftlichen Randnotizen. Solche Seiten sind zwar lesbar, aber mühsam abzuschreiben.

    Diese Seite erklärt, woran Sie typische Schreibmaschinentexte zeitlich einordnen, welche Eigenheiten beim Lesen stören und wie Sie aus einem Stapel alter Akten schnell durchsuchbaren Text machen.

    Zeichnung eines maschinengeschriebenen Blatts mit gleich breiten Zeichen und eines leicht versetzten, blassen Durchschlags dahinter
    Jedes Zeichen gleich breit, der Durchschlag blasser und unscharf: typisch für Akten aus dem 20. Jahrhundert.

    Herkunft und Zeitraum

    Die erste in größerer Zahl gebaute Schreibmaschine kam 1874 in den USA auf den Markt, gebaut vom Waffen- und Nähmaschinenhersteller Remington nach Entwürfen von Christopher Latham Sholes. In Deutschland setzten sich Schreibmaschinen um die Wende zum 20. Jahrhundert in Büros durch; deutsche Hersteller bauten sie in großen Stückzahlen.

    Bis in die 1980er-Jahre blieb die Schreibmaschine das wichtigste Werkzeug für Briefe, Akten und Formulare. Erst Computer und Drucker lösten sie ab. Deshalb reicht der Zeitraum für Maschinenschrift in Archiven von etwa 1900 bis in die späten 1980er-Jahre – mit dem Schwerpunkt auf Verwaltungsakten des 20. Jahrhunderts.

    Für die Familienforschung wichtig sind vor allem Unterlagen aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts: Personalakten, Entnazifizierungs- und Wiedergutmachungsakten, Vereinsunterlagen und amtliche Schreiben. Sie wurden meist mit mehreren Durchschlägen angefertigt, von denen oft nur einer erhalten ist.

    Woran Sie Maschinenschrift erkennen und einordnen

    Maschinenschrift ist leicht zu erkennen, verrät aber mehr, als man denkt:

    • Bei fast allen Maschinen sind alle Zeichen gleich breit – ein i nimmt so viel Platz ein wie ein m. Dadurch stehen Buchstaben in Spalten genau übereinander.
    • Die Typen einer Maschine nutzen sich unterschiedlich ab. Einzelne Buchstaben stehen etwas höher, tiefer oder schief und sind in einem ganzen Schriftstück wiederzuerkennen.
    • Ein abgenutztes Farbband macht den Text blass und ungleichmäßig. Auf mechanischen Maschinen sind Buchstaben, die mit weniger Kraft angeschlagen wurden, schwächer als ihre Nachbarn.
    • Durchschläge mit Kohlepapier sind blasser und unschärfer als das Original, oft auf dünnem, durchscheinendem Papier.
    • Umdrucke aus Schulen und Vereinen, etwa im Spiritusumdruck (Matrizenabzug), haben eine typische violette Farbe.

    Undatierte Schreiben lassen sich oft über Briefkopf und Anschrift einordnen. Vierstellige Postleitzahlen gab es in der Bundesrepublik ab 1962, fünfstellige im vereinten Deutschland ab 1993 – eine Anschrift mit fünfstelliger Zahl stammt also frühestens aus diesem Jahr. Auch Behördennamen, die es nur in bestimmten Jahren gab, kurze Telefonnummern und alte Ortsnamen grenzen den Zeitraum ein. Der sicherste Anhaltspunkt ist meist ein Eingangsstempel mit Datum.

    Vereinzelt gab es auch Schreibmaschinen mit Typen in Fraktur. Die allermeisten Maschinen schrieben aber in einer schlichten, gleich breiten Antiqua, die dem heutigen Schriftbild sehr nahekommt.

    Typische Lesefallen

    Die Schwierigkeiten liegen weniger in den Buchstaben als in den Eigenheiten der Technik:

    • Die Ziffer 1: Viele Maschinen hatten keine eigene Taste dafür. Geschrieben wurde ein kleines l, das man leicht als Buchstaben liest.
    • Die Null: Auf manchen Maschinen wurde für die Null ein großes O getippt.
    • Sonderzeichen: Ein Ausrufezeichen entstand oft aus Apostroph und Punkt, die übereinander getippt wurden. Auch andere Zeichen wurden so zusammengesetzt.
    • Korrekturen: Fehler wurden mit x oder / überschrieben, später mit Korrekturband oder -flüssigkeit überdeckt. Darunter scheint der ursprüngliche Text oft noch durch.
    • ß und Umlaute: Auf Schweizer Maschinen fehlte das ß, und auch sonst wurden Umlaute manchmal als ae, oe, ue geschrieben.

    Dazu kommen handschriftliche Ergänzungen: Aktenzeichen, Eingangsstempel, Unterschriften und Randnotizen, oft in Kurrent oder Sütterlin. Gerade diese Notizen enthalten häufig wichtige Informationen, etwa wer ein Schreiben bearbeitet hat oder wann eine Entscheidung fiel.

    Wo Sie alte Maschinenschrift finden

    Maschinenschrift ist die Schrift der Verwaltung im 20. Jahrhundert. Typische Bestände sind:

    • Behördenakten, Personalakten und Schriftwechsel mit Ämtern
    • Entnazifizierungs-, Wiedergutmachungs- und Lastenausgleichsakten
    • Firmenarchive mit Korrespondenz, Verträgen und Geschäftsberichten
    • Protokolle und Rundschreiben von Vereinen und Kirchengemeinden
    • private Briefe, Lebensläufe und Bewerbungen in Familienbesitz

    Viele dieser Akten liegen in Staats- und Kommunalarchiven, Unterlagen von Unternehmen in Wirtschaftsarchiven. Die Benutzungsbedingungen unterscheiden sich; bei personenbezogenen Akten gelten Schutzfristen. Für die Einsicht stellen Sie meist einen kurzen schriftlichen Antrag. Viele Archive erlauben inzwischen, Akten im Lesesaal selbst zu fotografieren – so entstehen die Bilder, aus denen später Text wird.

    Maschinenschrift lesen und abschreiben: so gehen Sie vor

    Maschinenschrift zu lesen ist selten schwer, sie abzuschreiben dagegen zeitraubend. Diese Schritte helfen bei schwierigen Vorlagen:

    1. Fotografieren Sie bei gleichmäßigem Licht und ohne Blitz. Blasse Durchschläge werden deutlicher, wenn Sie ein weißes Blatt darunterlegen.
    2. Vergrößern Sie unklare Stellen und vergleichen Sie Buchstaben mit anderen Stellen derselben Seite – die Typen einer Maschine sehen überall gleich aus.
    3. Lesen Sie überschriebene Stellen zweimal: einmal den korrigierten, einmal den ursprünglichen Text. Beides kann aussagekräftig sein.
    4. Übertragen Sie handschriftliche Randnotizen getrennt und kennzeichnen Sie sie als solche.
    5. Prüfen Sie Zahlen besonders sorgfältig, vor allem Daten, Beträge und Aktenzeichen.

    Für größere Aktenbestände lohnt es sich, einheitlich vorzugehen: eine Seite pro Bild, gleiche Reihenfolge wie im Original, Dateinamen mit Aktenzeichen und Seitenzahl. So bleibt die Ordnung auch nach der Übertragung erhalten.

    Wie der Scanner hilft – und wo er an Grenzen stößt

    Altschrift liest Maschinenschrift zuverlässig, auch auf mehrseitigen PDF-Dateien, und gibt den Text zum Kopieren und Durchsuchen aus. Handschriftliche Randnotizen in Kurrent oder Sütterlin auf derselben Seite werden mitgelesen. Mit Projekten und Schlagwörtern lassen sich ganze Aktenbestände ordnen und als Textdatei exportieren.

    Grenzen gibt es bei sehr blassen Durchschlägen, bei durchscheinendem Papier, auf dem sich Vorder- und Rückseite überlagern, und bei stark überschriebenen Stellen. Auch Tabellen und Formulare mit vielen Feldern werden nicht immer in der ursprünglichen Anordnung wiedergegeben. Unsichere Lesungen sind markiert.

    Prüfen Sie Zahlen und Namen immer am Original. Gerade die Verwechslung von l und 1 oder O und 0 fällt in einer Abschrift kaum auf, kann aber ein Datum oder einen Betrag verfälschen.

    Häufige Fragen

    Warum steht in alten Schreibmaschinentexten ein l statt einer 1?

    Viele Schreibmaschinen hatten keine eigene Taste für die Ziffer 1. Man tippte stattdessen ein kleines l. Beim Abschreiben sollte man solche Stellen als Ziffer lesen.

    Lässt sich ein blasser Durchschlag noch automatisch lesen?

    Oft ja, wenn das Foto gleichmäßig ausgeleuchtet ist und ein weißes Blatt unter der dünnen Seite liegt. Sehr blasse oder verrutschte Durchschläge bleiben schwierig; unsichere Stellen werden markiert.

    Werden handschriftliche Notizen auf der Seite mitgelesen?

    Ja. Altschrift liest Maschinenschrift und Handschrift auf derselben Seite, auch Randnotizen in Kurrent oder Sütterlin.

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